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Allgemeine Grundlagen

Begriffe/ Abkürzungen

2.1.1 Begriffserklärung 
In Deutschland und Europa sind viele Begriffe und Bezeichnungen für Lüftungsanlagen, im Allgemeinen Zuluftanlagen, zum Schutz von Fluchtwegen bekannt. 
Bei genauerer Betrachtung sind die Anlagen, die mit diesen Begriffen bezeichnet werden, identisch. Hauptziel dieser Anlagen ist es, Rauch nicht in den geschützten Bereich eindringen zu lassen. Diesem hohen Schutzziel stehen Anlagen entgegen, die im Allgemeinen der Rauchverdrängung dienen. Hier wird in Kauf genommen, dass Rauch in den geschützten Bereich eindringt. Das Ziel dieser Anlagen ist es dann, diesen Rauch aus dem geschützten Bereich durch Erzeugung eines Luftwechsels wieder zu entfernen. Diese Anlagen werden als Spülanlagen bezeichnet. Dieses einfache Anlagenkonzept ist jedoch nicht für Sicherheitstreppenräume zulässig.
Bei der Strulik GmbH hat sich das Kürzel DDA etabliert. Demnach werden Sie in dieser Druckschrift vermehrt diese Bezeichnung finden. Da wir diese Anlagen als Systemhersteller anbieten und planen, erhalten Sie bei der Firma Strulik Differenzdruckanlagen als System.


2.1.2 Aufgabe von Differenzdruckanlagen (DDA)
DDA sollen Fluchtwege in Gebäuden sichern und rauchfrei halten. Der Differenzdruck ist zwischen Fluchtweg (zum Beispiel Treppenraum) und Brandetage bei geschlossener und geöffneter Tür sicherzustellen, damit Rauch nicht in den Fluchtweg eindringen kann. 
Die Verantwortung für den sicheren Betrieb des baurechtlich geforderten Fluchtweges hat der Betreiber, bei der Errichtung holt er Hilfe bei Fachleuten für die Planung und Ausführung. 

2.1.3 Abkürzungen

DIN Deutsches Institut für Normen
EN Europäische Norm
CEN Europäisches Komitee für Normung
VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
LBO Landesbauordnung
MBO Musterbauordnung
MHHR Muster-Hochhaus-Richtlinie
SBauVO    Sonderbauverordnung
FSA Feststellanlage
TRH Treppenhaus
TR Treppenraum
DDA Differenzdruckanlage
DDS Differenzdrucksysteme
RDA Rauchschutzdruckanlage
DBA Druckbelüftungsanlage
DBS Druckbelüftungssystem
RWA Rauch- und Wärmeabzug
FWA Feuerwehraufzug
NEA Netzersatzanlage
GLT Gebäudeleittechnik
BMA Brandmeldeanlage
BMZ Brandmelderzentrale
DDC Direct Digital Control
CFD Computational Fluid Dynamics
AB Breite Treppenauge
GB Breite Treppengang, Laufbreite
RS Rauchschutz
TU Technische Universität
MRA Maschinelle Entrauchungsanlagen

 

2.1.4 Erläuterung einzelner Begriffe

Sicherheitstreppenraum

Es handelt sich um den einzigen baulichen Rettungsweg in diesem Gebäudeteil. Die Evakuierung kann nur über diesen Weg und nicht von außen erfolgen. Der Löschangriff der Feuerwehr erfolgt mit unter ebenfalls über diesen Weg. In Hochhäusern finden wir regelmäßig einen Sicherheitstreppenraum, jedoch kann die Anforderung auch in einem niedrigeren Gebäude im Rahmen des Brandschutznachweises gestellt werden.

Notwendiger innenliegender Treppenraum

In der Musterbauordnung 2002 (MBO) ist der notwendige Treppenraum als innenliegender Treppenraum möglich, wenn die „Nutzung ausreichend lang nicht durch Raucheintritt gefährdet werden kann“. Die Türen am notwendigen Treppenraum sind mit Türschließern ausgestattet. „Notwendige Treppenräume müssen belüftet werden können.“ Bei außenliegenden Treppenräumen ist dies durch mindestens 0,5 m² große Fenster in jedem oberirdischen Geschoss gesichert. Bei innenliegenden notwendigen Treppenräumen soll nach MBO eine 1 m² große RWA-Öffnung auf dem Dach für die Abfuhr von eingedrungenem Rauch sorgen. Bei Treppenräumen mit Schleusen zum notwendigen Flur folgen die Sachverständigen im Brandschutznachweis dieser Vorgabe.
Wenn auf die Schleuse verzichtet werden soll, wird dies durch den Einsatz einer DDA  / RDA kompensiert.
Als Schutzziel werden nach allgemeiner Ansicht nur der Mindestüberdruck von 15 Pa und die maximale Türöffnungskraft von 100 N angesehen. Ein Strömungsnachweis in der geöffneten Tür wird nicht gefordert.

Schleuse mit Türen nach Baurecht

Die Schleuse an einem Treppenraum ist Bestandteil des Sicherheitskonzeptes. Mit abgestufter Sicherheit reihen sich Treppenraum, Schleuse und notwendiger Flur aneinander. Zwischen dem möglichen Brandraum und dem Treppenraum sind somit drei Türen vorgesehen. Die Schleuse kann zum Aufbau einer Druckabstufung zwischen Treppenraum und Flur genutzt werden. Druckausgleichsöffnungen zwischen Treppenraum und Schleuse und ebenfalls zwischen Schleuse und Flur ermöglichen bei geschlossenen Türen eine kontrollierte Abstufung der Druckdifferenz. Diese Druckabstufung (Druckkaskade) reduziert die Druckdifferenz an einer Tür und somit die Türöffnungskraft, wenn die zweite Tür der Schleuse geschlossen ist.

Druckausgleich Schleuse

Im Sicherheitstreppenraum nach MHHR wird die Schleuse dem Überdruckbereich des Treppenraumes zugeordnet. Die Verbindung über eine Druckausgleichsöffnung ermöglicht in der Schleuse ein Druckniveau, das dem im Treppenraum entsprechen kann.Wenn zusätzlich eine Durchströmung der Schleuse gefordert wird, ist eine weitere Druckausgleichsöffnung zwischen Schleuse und Flur notwendig. An die Öffnung zwischen Treppenraum und Schleuse wird im Allgemeinen keine brandschutztechnische Anforderung gestellt. Die Öffnung zwischen Schleuse und Flur muss mit einer Absperrvorrichtung K90 ausgestattet sein.
Diese Öffnungen sind Bestandteil einer sicherheitstechnischen Anlage. Es handelt sich nicht um Überströmöffnungen. Rauchmelder dürfen an diesen Druckausgleichs­öffnungen nicht angebracht werden. Der Einbau von Rückstauklappen ist an der Öffnung zwischen Schleuse und Flur möglich, wenn diese ausdrücklich in den Wartungsplan der DDA aufgenommen werden.Druckausgleich Vorraum FeuerwehraufzugÖffnungen zum Druckausgleich zwischen dem Vorraum eines Feuerwehraufzuges (FWA) und dem Flur können nicht für den Ausbau einer Druckkaskade (siehe Punkt Druckausgleich Schleuse) genutzt werden, da im Regelfall keine Schleuse vorhanden ist.
Durch die Öffnung zwischen Vorraum und Flur kann jedoch ein Luftwechsel im Vorraum ermöglicht werden. Der Vorraum wird so zum sicheren Rückzugsraum für Personen, die sich nicht selbst retten können, und für die Einsatzkräfte der Feuerwehr.Einstufung des Schutzziels nach DIN EN 12101-6 oder MHHR oder notwendiges TRH ohne Schleuse
In Deutschland gibt es zwei Ansätze, die Schutzziele einer DDA zu definieren. Das Baurecht der Länder basiert im Wesentlichen auf den Musterrichtlinien und Verordnungen der ARGEBAU. Hier ist beispielhaft die MBO (Musterbauordnung), MHHR (Muster-Hochhaus-Richtlinie) oder SBauVO (Sonderbauverordnung) zu nennen.
Die Frage, wann der Treppenraum eine DDA benötigt, ist bei der Erstellung des Brandschutznachweises unter Bezug auf das Baurecht der Länder zu klären. Art und Umfang der Schutzziele einer DDA können durch die DIN EN 12101-6 oder die MHHR bestimmt werden. Die DIN EN 12101-6 unterscheidet je nach Nutzung des Gebäudes und Verwendung des Treppenraumes sechs Klassen. Jede Klasse beschreibt, unter Berücksichtigung der Gebäudeart, die Leistungsdaten der Schutzzielanforderung an den Fluchtweg. 
Die MHHR 2008 definiert die Anforderung an einen Treppenraum und einen Feuerwehraufzug im Hochhaus unter Nennung einer definierten Schutzzielanforderung. Diese Definition der MHHR kann somit als „eigene Klasse“ im Sinne der DIN EN 12101-6 angesehen werden. Beide Wege führen zu einer sicheren Anlage, die immer mindestens ein Druckkriterium und ein Strömungskriterium erfüllt. 
Der notwendige Treppenraum stellt eine deutlich geringere Anforderung an das Schutzsystem. Baurechtlich ist der innenliegende notwendige Treppenraum zulässig, wenn die Benutzung ausreichend lang nicht durch Raucheintritt gefährdet ist. Das Baurecht versucht diese Sicherheit durch eine mindestens 1 m² große RWA-Öffnung am Dach zu erreichen.
Dem Wunsch, durch den Einsatz einer DDA eine erhöhte Sicherheit zu erreichen, kann mit einfachen Mitteln entsprochen werden. 

Die schutzzielorientierte Lösung, einen Treppenraum mit einer DDA auszustatten, hat zwei Ansatzpunkte:RWA-Öffnung von 1 m² mit DruckregelklappeZuluftversorgung für den Treppenraum, um ca. 20 bis 25 Pa Überdruck zu gewährleisten
Der wesentliche Unterschied zu den Lösungen der DIN EN 12101-6 besteht in dem Verzicht auf eine automatisch aktivierende Sicherheits-Abluft im Brandgeschoss. Die Schutzfunktion der Anlage kann jederzeit durch Öffnen von Fassadenöffnungen durch die Einsatzkräfte erhöht werden. Die so erreichbare Strömungsgeschwindigkeit in der offenen Tür vom Treppenraum in die Etage liegt je nach Größe der Tür über 1 m/s. Durch die Bewertung aller sicherheitstechnisch relevanten Aspekte sind im Rahmen des Brandschutzkonzeptes die Schutzzielanforderungen an die Fluchtwege zu definieren.
Die Vorgabe für die spätere Planung kann sich auf wenige Hinweise beschränken.
Exemplarisch seien folgende Beispiele genannt:Sicherheitstreppenraum nach HochhausrichtlinieDie Druckbelüftung des Treppenraumes erfolgt nach Klasse C der DIN EN 12101-6Zur Kompensation der entfallenden Schleusen wird der notwendige Treppenraum mit einer Druckbelüftungsanlage ausgestattet. Der Mindestüberdruck im Treppenraum beträgt 15 Pa. Ein Strömungsnachweis in der geöffneten Tür des Brandgeschosses ist nicht erforderlich.Rauchtemperatur als Kriterium der LuftgeschwindigkeitDer nach DIN EN 12101-6 vorgesehene Bereich der Luftge­schwindigkeit liegt zwischen 0,75 und 2,0 m/s. Als Hilfestellung für die Auswahl der richtigen Ge­schwindigkeit soll die mögliche mittlere Temperatur der verrauchten Luft betrachtet werden. Je höher die zu erwartende Temperatur der verrauchten Luft ist, desto höher muss die Luftgeschwindigkeit sein. Je länger der Brand andauert, desto höher ist die zu erwartende Temperatur der verrauchten Luft.
Wenn ausschließlich die Selbstrettung geschützt werden soll, sind geringere Luftgeschwindigkeiten (0,75 m/s) vorgegeben. Im Hochhaustreppenraum nach MHHR 2008 wird mit der hohen Luftgeschwindigkeit von 2,0 m/s Rauch mit höherer Temperatur zurückgehalten. Dies ist notwendig, um auch den Löscheinsatz der Feuerwehr sicherzustellen.

Regelzeitanforderung: 3 SekundenBausätze von Differenzdruckanlagen sind nach DIN EN 12101-6 zu konzipieren. Unter „Bausatz“ verstehen wir die aufeinander abgestimmten Hauptkomponenten: Zuluftventilator, Druckentlastungsfläche und Regelorgan. Die Regelzeitanforderung (3 Sekunden) an den Bausatz ist dann erfüllt, wenn die betriebsfertig installierte Anlage nach Wechsel ihres Betriebszustands (Druckkriterium – Strömungskriterium) 90 % des geforderten Sollwertes innerhalb von 3 Sekunden erreicht hat.
Unter „Druckkriterium“ ist die Begrenzung der Türöffnungskraft auf maximal 100 N zu verstehen. Das Strömungskriterium beschreibt die geforderte Strömungsgeschwindigkeit (0,75 m/s bis 2,00 m/s) in der geöffneten Tür vom Schutzbereich in die Brandetage. Diese schnelle Anlagenreaktion ist durch eine selbsttätig regelnde, mechanische Klappe sicher zu erreichen.
Die Grafik (siehe rechts) zeigt den Luftdruck im Prüfraum an. Bei Beginn der Druckaufzeichnung ist die Tür am Prüfraum geschlossen, der Ventilator arbeitet und der geförderte Zuluftvolumenstrom verlässt den Prüfraum durch die Druckentlastungsklappe. Es ist ein Überdruck von ca. 50 Pa im Druckraum eingestellt. Nach 2 Sekunden wird die Tür am Prüfraum geöffnet und die vom Ventilator geförderte Luft strömt durch die Tür ab. Die Druckentlastungs­klappe schließt. 
Nach 4 Sekunden zieht der Türschließer die Tür wieder zu. Bei 6 Sekunden steigt der Überdruck im Prüfraum schnell an und übersteigt die 50 Pa. Nach ca. 0,5 Sekunden ist die Druck­entlastungsklappe so weit geöffnet, dass der Druck im Prüfraum wieder auf 50 Pa abgefallen ist. Nach insgesamt einer Sekunde ist der Solldruck im Prüf­raum von 50 Pa wieder eingestellt. Ab der 8. Sekunde wird die Tür wieder geöffnet und der Test beginnt von Neuem.

Feststellanlagen (FSA) an Türen im notwendigen FlurBei der Bemessung von DDA/RDA ist einer der wesentlichsten Punkte, die Leckage im Alarmbetrieb zu kennen bzw. im Rahmen der Planung rechnerisch zu ermitteln. Es sollte selbstverständlich sein, dass alle selbstschließenden Türen bei Alarmbetrieb geschlossen sind. Dies kann nur erreicht werden, wenn die FSA zentral angesteuert werden.Türdurchströmung – GeschwindigkeitskriteriumZum Schutz vor Raucheintritt ist im Brandgeschoss für jeden Betriebszustand sicherzustellen, dass vom druckbelüfteten Schutzraum (TRH, Vorraum FWA, Fluchttunnel) eine Luftströmung zum potentiell verrauchten Raum außerhalb des Schutzraumes (Flur, Nutzung) vorhanden ist.
Bei geschlossenen Türen ist die Luftströmung nur über Leckagen der Tür möglich. Bei geöffneter Tür wird der gesamte freie Türquerschnitt durchströmt. Die strömende Luftmenge ist entsprechend hoch. Als messbares Schutzziel wird die zu erreichende mittlere Luftgeschwindigkeit (0,75 bis 2,0 m/s) im Türquerschnitt als Grundlage für die Bemessung vorgegeben. Um diese Luftströmung automatisch und dauerhaft zu ermöglichen, ist der Einbau eines gesicherten Abluftweges erforderlich.Türöffnungskraft – DruckkriteriumDie Türöffnungskraft ist bei Betrieb der Druckbelüftungsanlage auf maximal 100 N zu begrenzen. Dieser Wert setzt sich aus zwei Teilkräften zusammen. Der erste Teil ist bei jeder Türbetätigung aufzubringen und wird durch den Türschließer und die Tür selbst begründet.
Drei Aspekte beeinflussen die Höhe dieser Kraft:Gewicht und Größe des TürblattesReibung im Drehpunkt der TürKonstruktion und Qualität des Türschließers
Nach DIN EN 1154 kann die für den Schließvorgang erforderliche Größe des Türschließers ausgewählt werden. Diese Norm regelt ebenfalls das maximale Drehmoment für den Öffnungsvorgang. Leider sind die Grenzwerte der Norm so hoch angesetzt, dass der Einsatz eines solchen Türschließers mit einer DDA/RDA nicht mehr möglich ist.Im Rahmen der Bemessung setzen wir Daten von hochwertigen Türschließern, die am Markt verfügbar sind, ein. Die Auswahl der Türschließer muss in Abstimmung mit dem Planer des Systems erfolgen.

Druckhaltung im DruckraumNach Alarmierung der DDA wird im Schutzbereich ein Überdruck erzeugt. Hierzu sind eine Zuluftversorgung und eine Druckentlastung erforderlich. Die Druckentlastungseinheit öffnet bei Erreichen des werkseitig eingestellten Öffnungsdruckes. Der sich einstellende Überdruck im Schutzbereich ist direkt vom Verhältnis der Öffnungsfläche und vom abzuführenden Volumenstrom abhängig.

Selbsttätige Druckregelklappe/DruckentlastungsklappeDie Druckregelklappe bzw. Druckentlastungsklappe ist ein rein mechanisch wirkendes Steuerorgan, das folgende Eigen­schaften aufweist:Minimierung der Leckagen → geschlossen bis zum Erreichen des ÖffnungsdruckesSchnelles Öffnen bei Überschreitung einer einstellbaren Druckdifferenz → < 1 SekundeGeringer Durchströmdruckverlust in geöffnetem Zustand → Reduzierung der erforderlichen BaugrößeSicheres Schließen nach Unterschreiten des Mindest­druckesZum Einsatz im Gebäude werden Druckentlastungsklappen zusammen mit einer elektrisch betätigten Isolierklappe und Lamellenhaube bzw. einem Prallblechvorbau zu einer Druckentlastungseinheit zusammengefügt.

Außenluftansaugung, Abstand zu anderen Öffnungen, AbmessungDie Ansaugöffnung für die Außenluft muss so gewählt und hergerichtet werden, dass Rauch aus einem Brand in diesem Gebäude nicht angesaugt werden kann. Zu diesem Zweck sind nur Ansaugöffnungen unten am Gebäude möglich. Alle Fenster und Türen sollen sich oberhalb der Ansaugöffnung befinden. 
Der seitliche Abstand zu anderen Öffnungen ist in jedem Einzelfall gesondert zu betrachten. Die Anforderung des Baurechts an Öffnungen in Außenwänden betrachtet ausschließlich die Gefahr der Brandübertragung und ist hier nicht hilfreich.
Wenn die Außenluftansaugung auf dem Dach des Gebäudes erfolgen soll, sind besondere Maßnahmen erforderlich. Die Ansaugöffnungen sind redundant an unterschiedlichen Stellen so vorzusehen, dass immer eine Öffnung rauchfreie Luft ansaugen kann. Beide Ansaugöffnungen sind mit Rauchmeldern und Absperrklappen auszustatten.

Sicherheits-Abluft (Kombination von Zuluft- und Abluftanlage)Ein Schutzziel der MHHR 2008 und DIN EN 12101-6 ist die Einhaltung einer definierten Luftströmung vom Druckraum in den Flur bzw. Nutzung in der Brandetage. 
Um diese Forderung im Brandgeschoss automatisch erfüllen zu können, ist in der Brandetage ein gesicherter Abluftweg (Sicherheitsabluft) ins Freie durch die Steuerung der RDA/DDA zu öffnen. 
Diese Öffnung muss witterungsunabhängig funktionieren. Öffnungen in der Fassade sind zulässig, jedoch müssen die Fassadenöffnungen mindestens an zwei gegenüberliegenden Gebäudeseiten gleichermaßen vorgesehen werden, um bei Windanströmung der einen Gebäudeseite die Öffnungen der Leeseite des Gebäudes nutzen zu können. Die erforderliche Installation im Gebäude und Schnittstellen zu anderen Gewerken machen die Umsetzung dieser Lösung aufwändig. Weiterhin ist die Flexibilität beim Ausbau der Nutzungseinheit stark eingeschränkt.
Einfacher ist die Verwendung eines vertikalen Abluftschachtes im Kernbereich des Gebäudes. Der Schacht ist in der Qualität eines Entrauchungskanals nach DIN EN 12101-7 auszuführen. Je Geschoss sind Entrauchungsklappen zur Einhaltung des baulichen Brandschutzes erforderlich. Die Entrauchungsklappen müssen der DIN EN 12101-8 entsprechen. Je nach Anzahl der Geschosse ist der Einsatz einer Ablufteinheit sinnvoll.

Was ist eine Ablufteinheit?Die Ablufteinheit besteht aus einem Entrauchungsventilator und zwei Druckregelklappen. Die Einheit wird an den Sicherheits-Abluftschacht angeschlossen. 
Der Abluftschacht mit dem im Brandgeschoss angeschlossenen Flur kann als eigener „Druckraum“ betrachtet werden. Er besitzt einen nach Alarmierung permanent laufenden Abluftventilator. Dieser Ventilator soll die geförderte Luftmenge bei geöffneter Tür zum Treppenraum aus der Brandetage absaugen. Wenn die Tür zum Treppenraum geschlossen ist, muss der Ventilator die Luft über eine Bypassklappe aus der Atmosphäre entnehmen. Um diesen Umschaltvorgang des Luftweges schnell und sicher durchführen zu können, sind sensibel einstellbare Differenzdruckklappen erforderlich. Diese funktionelle Einheit aus Ventilator und Differenzdruckklappen nennen wir Ablufteinheit.

Abluftschacht dicht mit geringer Leckage ausführenIm Regelfall sollten im Gebäude vertikale Schächte für die Sicherheits-Abluft eingesetzt werden. Die Dichtheit dieser Schächte ist in Anlehnung an die gängige Normung (DIN EN 12101-7) von Entrauchungsleitungen auszuführen.

RedundanzDie Frage der Redundanz bei Differenzdruckanlagen ist nicht eindeutig geregelt. Folgende Hinweise sind den aktuellen Vorschriften (Stand 07/2012) zu entnehmen:
MHHR 2008, Punkt 6.2.1:„Ist nur ein innenliegender Sicherheitstreppenraum vorhanden, müssen bei Ausfall der für die Aufrechterhaltung des Überdrucks erforderlichen Geräte betriebsbereite Ersatzgeräte die Funktion übernehmen.“
Erläuterung MHHR 2008, Punkt 6.2.1:„Die Forderung nach Redundanz betrifft die für die Wirksamkeit der Anlage wichtigen Komponenten, insbesondere die Ventilatoren und die Steuereinrichtungen.“
Die DIN EN 12101-6 fordert explizit nur Ersatz für die Ventilatoren, die für die Aufrechterhaltung des geforderten Druckes verwendet werden. Ventilatoren in Abluftwegen, die der Sicherung der Türdurchströmung dienen, werden nicht redundant ausgeführt. Die Forderung der MHHR bezüglich Redundanz der Steuereinrichtungen ist grundsätzlich zu begrüßen, jedoch ist nicht definiert, welcher Teil der Steuerung redundant ausgeführt werden soll.
Für die Steuerungen der Firma Strulik gilt:Die vorhandene speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) hat in der Hauptsache eine überwachende Funktion im Normalbetrieb ohne Alarm. Fehler und Störungen im System werden erkannt und gemeldet.Nach Alarmierung benötigt die SPS ca. 30 Sekunden, um die angeschlossenen Geräte in den Alarmzustand zu bringen. Nach Ablauf dieser Zeit hat die SPS keine sicherheitsrelevanten Aufgaben mehr zu erbringen.Wenn redundante Ventilatoren vorgesehen sind, erfolgen die Überwachung der Funktion und ggf. die Umschaltung auf das Ersatzgerät unabhängig von der SPS. Die Schaltschütze sind je Ventilator einmal vorhanden. Bei einem Fehler am Schütz wird auf den zweiten Ventilator umgeschaltet.
Für die Regelung des Überdruckes im Druckraum werden keine elektrischen oder elektronischen Funktionen verwendet. Die Druckregelklappe arbeitet ohne Fremdenergie.
Da die Druckentlastung passiv arbeitet, ist hier keine Redun­danz vorgesehen. Auf Wunsch können jedoch auch hier Ersatzgeräte verwendet werden.

SpannungsversorgungDie Spannungsversorgung jeder Sicherheitsanlage ist für eine ausreichend lange Zeit sicherzustellen, siehe DIN EN 12101-10. Im Hochhaus ist der Einsatz einer motorbetrieben Netzersatzanlage (NEA) obligatorisch. Bei kleineren Gebäuden, die nicht zwingend mit einer NEA ausgestattet sind, muss sichergestellt sein, dass bei Abschalten des Hausnetzes durch die Feuerwehr die Spannungsversorgung weiterhin in Funktion bleibt. Diese Funktion kann durch den Einsatz einer Sprinklerpumpenschaltung ermöglicht werden. 
Hierbei wird nach dem Stromzähler am Gebäudeeintritt ein separater Abzweig für die Sicherheitsanlagen errichtet. Dieser Abgang ist vom Hauptschalter des Gebäudes unabhängig. 

Permanente Überwachung des AnlagenzustandesDie DDA ist im Normalbetrieb eine ruhende Anlage. Fehler an der Technik, die durch äußere Einflüsse auftreten können, müssen sofort erkannt, gemeldet und anschließend behoben werden. 
Somit ist eine permanente und umfassende Überwachung des Anlagenzustandes erforderlich. Dem Stand der Technik entsprechend sind alle Signalleitungen für die Auslösung, die Leitungen zu Stellorganen und die Schaltposition der Reparaturschalter auf Kabelbruch und Kurzschluss zu überwachen. Meldeleitungen an die DDC/GLT sind durch die angeschlossenen Anlagen zu überwachen.